Das Beste kommt zum Schluss

Das Finale der diesjährigen Citroën Racing Trophy fand am letzten Wochenende im Rahmen der Rallye Baden Württemberg (kurz "Im Ländle") statt. Das heißt für mich war es auch der vorerst letzte Einsatz in diesem Jahr neben Tina Wiegand. Wir wollten noch einmal alles geben und meiner fiesen Erkältung mit Spaß und Freude entgegenwirken. Rallye ist nämlich - neben Luft und Liebe - noch immer die beste Medizin.

Obwohl ich vor 3 Jahren diese Rallye das letzte Mal gefahren bin, konnte ich mich noch während der Besichtigung an einige markante Ecken und Schlüsselstellen recht gut erinnern, so dass wir einen schönen und runden Aufschrieb erstellen konnten. Vor allem für die drei Wertungsprüfungen (WPs) im Dunkeln am Freitagabend schienen wir bestens gerüstet zu sein. In Kombination mit den konstant trockenen Bedingungen war dies eine gesunde Basis, die Tina Selbstvertrauen gab und auch ein bisschen angriffslustig machte.

Einen 18 Kilometer langen Nachtrundkurs galt es zuerst zu bewältigen. Rundkurse haben das blöde Manko, dass schnellere Teams, die eigentlich vor einem starten, von hinten auflaufen können. Durch die Festbeleuchtung an der Front der Rallyefahrzeuge merkt man nicht nur in den Rückspiegeln, wenn das "Unheil" von hinten naht, sondern es wird zusätzlich taghell im Auto. Die Nervosität, eine passende Stelle zum Vorbeilassen zu finden, an der beide Teams den geringsten Zeitverlust in Kauf nehmen, steigt dann proportional mit der Helligkeit im Auto. In unserem speziellen Fall mussten wir dem Team Knacker/Holzer an einer der schnellsten Abschnitte der WP den Vortritt lassen. Gut für sie. Schlecht für uns, denn das Abbremsen kostete uns wertvolle Zeit und Tina's Konzentration.

Danach ging es auf den kurzen und engen Stadtrundkurs in der Nähe des Rallyezentrums in Heidenheim. Ich machte mir keine Sorgen, denn WPs mit dieser Charakteristik liegen Tina. Mit der viertbesten Zeit in unserer Klasse konnte sie erstmals einige gute Jungs aus der Citroën Trophy hinter sich lassen, ein kleines Ausrufezeichen setzen und sich Lob von den Fahrerkollegen abholen.

Für den abschließenden zweiten Durchlauf über den langen Rundkurses hofften wir auf niemanden, der von hinten drängte. Und dem war auch so. Frei von jeglicher Ablenkung konnten wir uns im Vergleich zum ersten Durchgang um 33 Sekunden verbessern und zufrieden mit unserer Leistung in die wohlverdiente Nachtpause gehen.

Der folgende Samstagmorgen zeigte sich von seiner herbstlichen Seite. Nebelig, kühl - aber trocken. Wir lagen auf dem 5. Platz der Trophy Wertung und wollten uns weiter verbessern. Und dies sah so aus: Alle fahrerischen Abläufe mussten flüssiger und früher Kommen, um den Citroën DS3 R1 auf Schwung zu halten. Früher einlenken, früher und aggressiver aufs Gas und konsequenter den gewählten Gang dem Kurvenradius anpassen. Vor allem beim Abbremsen von schnellen 5er auf mittelschnelle 3er/4er Kurven. Tina konnte so konstanter und auch schneller fahren. Auch wenn es sich manchmal langsamer anfühlte, lieferte die Uhr am Ende den Gegenbeweis.

Auf der Nachmittagsrunde wurde es dann noch einmal kurz stressig. Auf der Verbindungsetappe zur zehnten WP verspürte Tina plötzlich Vibrationen im Lenkrad, die ich nach einem Kilometer auch in meiner Fußstütze spürte. Unsere Mechaniker hatten beim letzten Service beide Vorderräder nicht richtig festgezogen. Zum Glück hat Tina es noch rechtzeitig gemerkt. Nicht auszudenken, wenn sich diese im vollen Tempo selbstständig gemacht hätten...

Einen weiteren "Aha-Moment" hatten wir sieben Kurven vor dem Ende der letzten WP. Tina war richtig gut im Fluss. Doch nach einem spitzen Rechtsabzweig rutschten wir seitlich in dessen Außengraben und hingen über eine Minute in Selbigem fest. Und zwar so ungünstig, dass wir halb auf der Kippe stehend mit dem Unterboden aufsaßen. Nur nicht bewegen. Ruhe bewahren und auf Hilfe warten. Die kam in Form der Streckenposten, die uns aus dieser misslichen Lage mit Schieben und Schwung wieder befreien konnten. Auf unsere Platzierung hatte dieses Malheur jedoch keine Auswirkung. Wir waren nur froh, dass dies nicht das Ende bedeutete.

Alles in allem kann ich sagen, dass die Rallye "Im Ländle" eine top organisierte Veranstaltung war, an der wir sichtlich Spaß hatten. Mit dem 5. Platz am Ende konnten wir gut leben und einen schönen Ausschied aus der Citroën Racing Trophy feiern, die wir auf dem gleichen Rang beendeten. Tina hat damit auch die inoffizielle Damenwertung innerhalb der Trophy gewonnen. Chapeau, Madame.