Darkentino Rossi #46

Jeder, der auch nur ein bisschen Faszination für Motorsport in seinem Leben entwickelt hat, kennt den Namen Valentino Rossi. Und ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass jeder Einzelne von ihnen auch seine Startnummer kennt. Als treuer Fan des 9-maligen Motorradweltmeisters war es mir von daher eine innere Freude, als die Veranstalter der diesjährigen Wedemark Rallye nach dem Nennungseingang die berühmte Startnummer #46 an uns vergab. Das Einzige, was ich noch brauchte war ein Fahrer, der annähernd so "verrückt" ist wie der Italiener. Glücklicherweise kenne ich da einen: Dark Liebehenschel.

Bis in die Fingerspitzen motiviert, wollten wir bei der Doppel-veranstaltung bestes frontangetriebenes Fahrzeug werden. Dass dies ein schwieriges Unterfangen werden würde, war uns Beiden völlig klar, denn unsere Hauptgegner in dieser inoffiziellen Wertung waren keine geringeren als die amtierenden Schottercup Sieger Mark Muschiol und Kerstin Munkwitz, die im leichteren und drehmomentstärkeren Renault Clio schon im letzten Jahr der Veranstaltung ihren Stempel aufgedrückt haben. Dass man sie allerdings trotzdem schlagen kann, haben wir bei der Wittenberg Rallye Anfang des Jahres schon gezeigt.

Das Organisationsteam der Wedemark Rallye rund um Bernd Depping hat sich auch dieses Jahr wieder viel Mühe gegeben, um nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Fahrer bei Laune zu halten. Wasserdurchfahrten, Sprungkuppen, Stoppelfelder – alles war da. Die Rallye bestand zudem aus zwei Veranstaltungen mit jeweils vier Wertungsprüfungen (WPs) auf abwechslungsreichen Schotter-abschnitten in den Kiesgruben rund um Mellendorf und Feldwirtschaftswegen beziehungsweise langen Asphaltgeraden, die diese miteinander verbanden.

Am Anfang des ersten Laufes galt es einen Rundkurs zu bewältigen. Nicht wirklich anspruchsvoll, wenn da nicht dieser Linksabzweig in eine Schotterpassage gewesen wäre. Nach den ersten 40 Teilnehmern bildete sich nämlich im Kurveninneren ein so tiefes Loch, dass einen Stein zu Tage brachte, der es ohne Probleme mit den Findlingen in den Geoparks der Lausitz aufnehmen konnte. Dark sah das Ungetüm zwar noch, aber in dem Moment gab es auch schon einen kräftigen Schlag aufs linke Vorder- und Hinterrad. Kurze Zeit später meinte er aufgeregt zu mir, dass wir vorne einen Platten haben. Vorsichtig fuhren wir die übrigen eineinhalb Runden des Rundkurses zu Ende und wechselten nach dem Ziel den kaputten Vorderreifen.

Eigentlich sind nach einem Reifenschaden bei einer kleinen Rallye alle Messen gesungen. Wir lagen auf dem 18. Platz der Gesamtwertung. Aber wie heißt es so schön: "Wenn die Erwartungen schwinden, steigt der Spaß!" Und den hatten wir. Allerdings erst so richtig während der letzten WP. Dark und ich waren jetzt warm und es passte einfach alles. Nicht nur zu meiner, sondern auch zur Freude der zahlreichen Zuschauer, die wieder einmal sehen konnten, wie gut der Mann auf Schotter ist. Mit einer Zeit, die 6 Sekunden schneller war als die von Muschiol, konnten wir uns am Ende wieder auf den 6. Gesamtplatz vorarbeiten und sogar noch die Kategorie für verbesserte Fahrzeuge mit Frontantrieb gewinnen.

Am Nachmittag, während des zweiten Laufes des Tages, wollten wir dann Rache nehmen. Dark war noch immer angefressen, aber angriffslustig und wollte den Reifenschaden vom Mittag vergessen machen. Doch diesmal spielte uns die Technik einen Streich. Die elektronische Drosselklappe streikte auf einmal beim Willen den Motor in wohlklingende Sphären zu hieven und begrenzte die Umdrehungen pro Minute auf nur noch sechseinhalbtausend. Da der Motor des Citroën C2R2 aber sein höchstes Drehmoment eigentlich erst ab dieser Umdrehungszahl entfaltet, wurde er ziemlich zeitig zur stumpfen Waffe. Das sollte Dark jedoch nicht daran hindern weniger Gas zu geben. Um den Leistungsverlust auszugleichen, musste er nun etwas runder und weniger aggressiv fahren. Wir konnten zwar nicht mehr schneller als Mark Muschiol fahren, verloren aber überraschend wenig Zeit auf seine Bestmarken. Am Ende konnten wir uns über einen tollen 4. Gesamtplatz freuen und wiederholten den Sieg vom Mittag in unserer Kategorie.

Einmal Platz 4 und einmal Platz 6. Und das mit der Startnummer 46. Das ruft sicherlich ein paar Verschwörungstheoretiker aus ihren Kämmerlein hervor... Wir waren unter den gegebenen Umständen trotzdem richtig zufrieden und melden hiermit schon einmal die Startnummer 11 für das nächste Jahr an.