Einstand nach Mass

Während die Planungen in der deutschen Rallye Landschaft so unberechenbar wie schon lange nicht mehr - nein eigentlich wie noch nie waren - und Aktive und Organisatoren sich in Kopfschütteln und stiller Verunsicherung übten, das hoffnungsvolle WRC Academy Projekt mit Philipp Knof an der Finanzierung scheiterte und mein langjähriger Fahrer Thomas Robel eine unbestimmte Auszeit vom Rallyesport nimmt, stand ich bis vor zwei Wochen noch ohne Fahrer und damit ohne Beschäftigung da. Bis eine E-mail von Veit König ins Haus flatterte...

Veit König ist Inhaber der Suzuki KKL GmbH und seitdem eng mit den Japanern verbunden. Ein aufgeweckter zweifacher Familienvater, mit grosser Leidenschaft für den Rallyesport - jemand der anpackt und nebenbei verdammt gut Auto fährt. Mark Muschiol, den ich bereits vorher über meine missliche Lage unterrichtete, stellte den Kontakt her. An dieser Stelle möchte ich mich bei Mark recht herzlich für seine Hilfe bedanken. Veit suchte einen Copiloten für die ADMV-Rallye-Meisterschaft, da sein angestammter Beifahrer Michael Schwendy aus beruflichen und familiären Gründen in diesem Jahr nicht zur Verfügung stand. Und ich sagte "Ja", denn - "Ick hatte ja eh nüscht besserit zu tun!" - Unsere erste gemeinsame Rallye: Veits Heimspiel im Erzgebirge am letzten Wochenende.

Veit hatte mich, wie er während der Besichtigung zugeben musste, vorher noch nie gesehen, geschweige denn hatte er eine Ahnung davon ob er meinen Ansagen vertrauen schenken kann. Und so ging es auf der ersten WP, dem bekannten Rundkurs in Jahnsdorf, in erster Linie erst einmal darum uns gegenseitig kennenzulernen. Obwohl die Wolken bedrohlich aussahen, blieb es trocken. Wir fuhren auf unserer ersten gemeinsamen WP die zweitbeste Zeit und konnten von daher zufrieden und in aussichtreicher Position schlafen gehen.

Am nächsten Morgen starteten wir mit zwei Bestzeiten und führten auf einmal unsere Division mit 12 Sekunden Vorsprung an. Sorgen bereitete uns die verbogene Hinterachse, die den Suzuki Swift Sport nach einem schweren Schlag auf den Platten der WP Schlettau nicht mehr wie gewohnt in der Spur hielt. Aber mit harten Schlägen und schwerem Geschütz der Servicecrew auf die geschwächte Stelle, liess sich auch dieses Problem provisorisch lösen. Es sollte das einzige des gesamten Wochenendes bleiben.

Da wir nicht wussten, wie sich die notdürftig korrigierte Hinterachse im Renntempo verhielt, liessen wir es anschliessend etwas ruhiger angehen. Veit meinte jedoch er hätte den zweiten Durchgang auf der WP Schlettau verschlafen. Es reichte trotzdem zur zweitbesten Zeit.

Mit weiteren klaren Bestzeiten auf den nächsten zwei WPs, aber auch durch Fehler und Pech unserer Verfolger, liessen wir keinen Zweifel aufkommen, dass wir uns am heutigen Tag eigentlich nur selbst schlagen konnten. Im Modus: "Vorsprung halten", den wir später ergänzten mit: "Ja nichts mehr riskieren", fuhren wir bei unserer Premiere gleich einen überlegenen Sieg in der teilnehmerstärksten Division 6 nach Hause und krönten damit ein in jeder Hinsicht perfektes Wochenende. Mit Platz 11 in der Gesamtwertung blieb uns allerdings ein Top-10 Ergebnis verwehrt.

In der ADMV-Rallye-Meisterschaft liegen wir nach der ersten Veranstaltung auf dem zweiten Platz hinter dem Team Wiegand/Harloff, die an diesem Wochenende eine eindrucksvolle Vorstellung ihres Könnens zeigten. Chapeau...