Platz 2 zur Miete

Waren wir nach unserem Erfolg bei der Erzgebirgsrallye noch voller Vorfreude für die kommenden Veranstaltungen, so folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Zurück in den heiligen Hallen in Zschopau, wurde erneut ein Motorschaden am "Swiftl" diagnostiziert. An einen Einsatz bei der Sachsen Rallye in zwei Wochen war nicht zu denken. Ein Alternativplan musste her, um unsere Chancen in der ADMV Meisterschaft zu wahren. Die beste Adresse in so einem Fall: Schmack Motorsport, bei denen wir uns kurzerhand einen Gruppe N Suzuki Swift mieteten. Kurioserweise wurde dieser ursprünglich von unserem eigenen Team aufgebaut. Es konnte also nur gut gehen.

Vor der Qualifikation zur Bestimmung der Startreihenfolge passten wir den Suzuki, so weit möglich, an unsere Bedürfnisse an. Alles was in der Kürze der Zeit nicht ging, mussten wir so hinnehmen und sorgte im Team mitunter für viel Gelächter. Die Fußstütze auf meiner Seite war so weit vorne, dass ich mir die ganze Zeit vorkam, wie auf einer etwas längeren Sitzung auf dem WC - insbesondere mit dem Gebetbuch in den Händen. Die Gegensprechanlage ging auch nur in eine Richtung, aber glücklicherweise in die richtige. Veit konnte mich verstehen, ich ihn aber nicht. Machte aber alles nichts, weil das Auto sowieso unglaublich leise war. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was wir inzwischen gewohnt waren.

Unsere Klasse war, Dank der Citroen DS3 R1 Trophy, mit 15 Teams gut gefüllt. Im Kampf mit den jungen Talenten rechneten wir uns unter den gegebenen Bedingungen eine Platzierung unter den Top 5 aus. Nach den zwei Durchläufen der Qualifikation reihten wir uns zu unserer eigenen Überraschung auf Platz 4 ein und verloren auf dem 3 km langen Stück etwa eine Sekunde pro Kilometer auf den Führenden Rigo Sonntag, der mit seinem leistungsstärkeren Honda als Favorit gehandelt wurde.

Nach dem starken Gewitter von Freitag auf Samstag konnte man davon ausgehen, dass die Passagen in den Wäldern um "Hirschfeld" und dem Rundkurs "Neuschönburg" noch immer feucht waren. Wir wählten für diese Wertungsprüfungen (WP) weiche Intermediate Reifen. Die absolut richtige Entscheidung. Veit fand gleich Vertrauen, war frei im Kopf und ließ vor allem in "Neuschönburg" den Swift richtig fliegen. Nach unserer ersten Bestzeit reihten uns mit einem Rückstand von 3 Sekunden hinter dem Team Knof/Stein im Citroen und 10 Sekunden hinter Sonntag/Roggow im Honda auf dem dritten Platz ein.

Auf dem Rundkursklassiker "Glück auf Brücke" in Zwickau fiel der Führende Sonntag mit technischem Defekt aus. Wir nutzen unseren technischen Vorteil aus den Spitzkehren (im Gegensatz zu den Citroens verfügt der Swift über eine Getriebesperre) und übernahmen die Führung, die wir auf der WP "Fraureuth" mit einem Vorsprung von 0,8 Sekunden verteidigen konnten. Auf der anspruchsvollen WP "Plohn" verloren wir allerdings satte 9 Sekunden auf Knof. Während wir bereits ziemlich am Limit gefahren sind, musste Philipp Knof vom Teufel besessen gewesen sein. Nach dieser Packung wollten wir den zweiten Platz nur noch halten, unseren Stiefel konzentriert weiter fahren und natürlich Spaß haben.

Morgenluft schnupperten wir allerdings noch einmal, als wir mit einer weiteren Bestzeit auf der "Glück auf Brücke" wieder eine Chance auf den Sieg hatten. Das Wetter sollte unseren Angriff jedoch vereiteln. Während Knof/Stein die WP "Fraureuth" im Trockenen meistern konnten, wurden wir durch den einsetzenden Regen etwas behindert. Trotz einer finalen Bestzeit auf dem letzten Abschnitt blieb es bei unserem Rückstand von 7,7 Sekunden. Wir mussten neidlos anerkennen, dass Phillipp und seine Beifahrerin Anne Katharina Stein mit ihrem Husarenritt in "Plohn" die Rallye verdient gewonnen haben und waren am Ende mit dem zweiten Platz mehr als zufrieden. Positiv stimmt uns auch, dass wir, mit vergleichbarer Technik, noch immer mit den jungen Wilden mithalten können. Wat willste mehr...