Spontaner Fahrspaß

Unerwartet fand am letzten Wochenende rund um den Motorpark Oscherleben mein frühzeitiger Saisonauftakt bei der Welfen-Winter-Rallye statt. Nach einem Jahr Pause hatte mein langjähriger Fahrer Thomas Robel zum einen wieder mal etwas Zeit und vor allem auch Lust verspürt, Autos im Wettbewerb am Limit zu bewegen - diesmal mit einem angemieteten Mitsubishi Lancer Evo 6 von Milon-Motorsport. Premiere für uns beide und von daher eine durchaus spannende Angelegenheit.

Im Vorfeld benachrichtigte mich Thomas darüber, doch bitte nachsichtig und nicht so streng mit ihm zu sein. Er wollte sich langsam an das für ihn neue Auto gewöhnen und innerhalb der drei Einzelläufe nach und nach steigern.

Der erste Lauf startete am Freitagabend bei windigem Regenwetter mit der ersten Wertungsprüfung (WP), die zum großen Teil auf einer Kartbahn gefahren wurde. Der Allradantrieb des Mitsubishis kam uns bei diesem Wetter und auf dem winkligen Kurs sicherlich entgegen und so konnten wir trotz zweier Fastdreher mit der zweitbesten Zeit überraschen. Auf der WP 2 hatten wir starke Probleme mit der Sicht. Die Innenbelüftung des Mitsubishis war falsch eingestellt und zielte konsequent auf den Fussbereich, anstatt die Windschutzscheibe von der Feuchtigkeit zu befreien. Verlust: 10 Sekunden. Dieses Problem konnte Thomas jedoch auf der kurzen Verbindungsetappe beheben. Nachdem wir schließlich unsere erste Gesamtbestzeit im zweiten Durchgang erzielten, fuhren wir einen ungefährdeten 2. Gesamtplatz und Gruppensieg nach Hause.

Über Nacht hörte es auf zu regnen, so dass die Strecken zum zweiten Lauf am nächsten Morgen zwar noch feucht waren, aber zunehmend abtrockneten. Im ersten Durchgang konnten wir uns, im Vergleich zum Vorabend, noch einmal deutlich steigern und mit zwei klaren Bestzeiten die Grundlage für unseren ersten kleinen Gesamtsieg schaffen. Allerdings waren die aufgezogenen Regenreifen danach nicht mehr zu gebrauchen.

In der Pause zum dritten Lauf, bei dem diesmal die Strecken in die entgegengesetzte Richtung befahren werden mussten, wechselten wir auf einen härteren und vor allem neuen Vorderreifen. Da uns aber nur weitere Regenreifen zur Verfügung standen, waren wir bei komplett trockenen Streckenbedingungen nicht mehr ideal bereift. Und das bestätigte sich bereits nach der ersten WP. Die Reifen überhitzten stark und waren sehr schnell nutzlos. Mit stumpfen Waffen kämpften wir zwar weiter, konnten den historischen Ford Escort von Lokalmatador Axel Potthast aber nicht mehr halten. Auch gegen die stark auftrumpfenden finalen Laufsieger Klimasch/Drechsler in einem weiteren Evo 6 und Hink/Pirrone im BMW M3 E46 waren wir chancenlos.

Und dennoch: Thomas fuhr mit dem Evo 6 als hätte er nie ein anderes Fahrzeug bewegt. Das überraschte nicht nur mich, sondern alle im Team. Und er selbst schien das Fahren sehr zu geniessen. Bezeichnend daher seine Aussage im Ziel:

„Henry, warum haben wir damit nicht schon viel früher angefangen?“

In der Addition aller drei Läufe erzielten wir den 2. Gesamtplatz und waren das beste Fahrzeug unserer Klasse. Ein rundum erfolgreicher Spaß.