Mein Fehler und seine Folgen

Im Motorsport basiert jede Kalkulation auf zwei unberechenbaren Parametern:
#1 Keine technischen Probleme
#2 Keine menschlichen Fehler
Im Vorfeld der Lausitz Rallye habe ich alle anderen Eventualitäten durchgerechnet. Mit ein bisschen Glück hätten Veit König und ich nach 2011 wieder ADMV Meister werden können. Laut meinen Berechnungen würde es zwar extrem schwer werden, aber solange man rechnerische Chancen hat, sollte man sie nutzen.

Das Wetter war das ganze Wochenende herrlich - zu herrlich für eine Schotter Rallye. Durch den fehlenden Wind konnte sich der aufgewirbelte Staub der vorausfahrenden Fahrzeuge nicht setzen und so wurde es für alle Teilnehmer eine Nebelfahrt mit unbekanntem Ausgang. Ein perfekter Aufschrieb mit markanten Anhaltspunkten war ein absolutes Muss. Wir fühlten uns gut gerüstet und waren relativ entspannt, doch der Veranstalter entschied die beiden Nachtprüfungen am Freitag aus Sicherheitsgründen abzusagen.

Die Rallye begann für uns daher erst am nächsten Morgen bei Tageslicht. Doch der Staub blieb, genauso wie unsere Probleme mit der Gegensprechanlage, die sich schon über das ganze Jahr hinwegziehen. Und so verloren wir bereits auf der ersten Wertungsprüfung (WP) 30 Sekunden auf den extrem schnellen Stephan Dammaschke im Mitsubishi Colt.

Wir wechselten daraufhin die Helme, um für die 30 km lange Königsprüfung "Reichwalde" besser gerüstet zu sein. Veit konnte mich nun laut und deutlich verstehen. Ich dagegen hörte nur noch ein leises Sächseln. Aber das sollte uns nicht daran hindern voll anzugreifen. Nach 2 km kamen wir auf eine lange Gerade. Ich las vor: "300 voll zu Kuppe bei Tonne zu Kuppe hebt bei Tonne". Alles war gut. Weiterlesen: "in Senke zu Tonne Brems Brems Abzweig Rechts Zwo". Da die Senke für mich nicht spürbar war und die markante Tonne im Staub verschwand dachte ich, sie würde erst noch kommen. Doch meine Ansage war zu spät. Wir rutschten über den Abzweig hinaus, drehten uns und versuchten auf dem schnellsten Weg wieder zurück auf die Strecke zu finden. Veit sah die Spuren im Sand von Stephan Dammaschke, der vor uns ebenfalls den Abzweig verpasste und es durch den tiefen Sand gerade noch so zurück auf die Schotterstraße schaffte. Wir fuhren uns jedoch in seiner Spur fest. Nach sieben Minuten konnten wir uns durch die Hilfe zahlreicher Zuschauer wieder aus dem Sand befreien. An dieser Stelle vielen Dank an den Rallyefahrer Bernd Knüpfer, der als Zuschauer unsere Rettungsaktion "koordinierte". Nachdem wir wieder auf der Strecke waren hingen wir zu unserem Übel allerdings auch noch im Staub von Lars Uhlmann im Citroen Saxo fest. Wir verloren in der Summe 8 Minuten, alle Meisterschaftshoffnungen und irgendwie auch die Lust weiterzufahren. Im Service war ich untröstlich, denn es war mein Fehler, der zu allem führte. MEIN Fehler. Beifahrer machen keine Fehler... (Notiz an mich selbst: Auch Beifahrer sind Menschen).

Wir fuhren die Rallye im "Schongang" weiter, profitierten von ein paar Ausfällen vor uns und konnten uns wieder ein bisschen im Klassement vorarbeiten. Nachdem der Veranstalter aber auch die beiden letzten WPs am Sonnabend annullierte, fehlten uns zwei Möglichkeiten, um den 3. Platz in der Meisterschaft zu halten. Am Ende sollten es ein enttäuschender 11. Platz in der Division und 4. Platz in der Meisterschaft werden. Herzlichen Glückwunsch an Peter Corazza und Christoph Gerlich, die mit einer fehlerfreien Fahrt die ADMV Meisterschaft 2014 gewinnen konnten.