Ölsardinen in der Dose

zwickauerland16_blog

Am letzten Dienstag fügten sich die Umstände des Weltenplans und boten mir die Möglichkeit, mich zur Rallye Zwickauer Land neben den Rößner Jan und seiner 23 Jahre alten Suzuki Dame zu setzen und ihm den Weg zu weisen. Ich zögerte keine Sekunde und sagte kurzentschlossen zu. Als ich in Zwickau mit Sack und Pack aufschlug und mich die Leute fragten, mit wem ich denn das "Tänzchen" dieses Wochenende wagen würde, gingen die Meinungen weit auseinander. Von "hast-du-dir-das-auch-gut-überlegt" bis "du-wirst-richtig-spass-haben" war eigentlich alles dabei. Ich kenne den Zschopauer schon relativ lange und war als Zuschauer immer Fan seines spektakulären Fahrstils. Dass Jan zudem in 10 Jahren Rallyesport noch nie einen schweren Unfall hatte, bestärkte mich in meiner Entscheidung.

Am Freitag Abend tauschten wir uns über sein Konzept des Aufschriebmachens aus, definierten alle anderen Parameter, die diese "Kurzehe" so erfolgreich, wie möglich machen sollte und setzten dies während der Besichtigung der Wertungsprüfungen (WP) am nächsten Morgen ohne Hektik in die Realität um. In einigen Passagen, bei denen Jan sich unsicher war, wie er sie notieren sollte, stieß ich mit meinen Tipps und Hinweisen auf offene Ohren. Alles in allem war es eine runde Sache. Was uns jedoch etwas Kopfzerbrechen bereitete war die Reifenwahl (Schotter vs. Asphalt) und wie wir uns zwei langen Kerle in das kleine Auto falten würden, ohne den Arbeitsbereich des Anderen zu behindern. Sagen wir es so: Ölsardinen in der Dose schlafen komfortabler...

Wegen des hohen Schotteranteils von 45% und des brüchigen Asphalts entschieden wir uns, im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenten unserer Klasse, für die Schotterbereifung. Auch um auf Nummer Sicher zu gehen und keine Schäden zu riskieren.

Von Nervösität oder Unruhe keine Spur. Ich war vorfreudig gespannt, wie sich das, was ich all die Jahre von Jan immer nur von außen bewundern dufte, nun in der "Liveshow" anfühlt. Und ich kann es vorweg nehmen: Es war großartig. Nicht nur die fahrerische Klasse, sondern auch, wie Jan Dinge umsetzt, die man ihm sagt. Unwohl oder unsicher fühlte ich mich zu keinen Zeitpunkt. Er beherrscht einfach die alte schwachbrustige Dame mit all ihrer Gutmütigkeit und weiß genau, was er in welcher Situation zu machen hat. Leuten, die meinen er wäre verrückt, kann ich hiermit den Zahn ziehen. Verrückte hören nicht darauf, was man ihnen sagt und setzen es erst recht nicht um. Jan tut dies und zwar in überlegter Art und Weise, die sich mit einer tollen Fahrzeugbeherrschung paart. Und das macht meiner Meinung nach einen richtig guten Rallyefahrer aus.

Wir fuhren die ersten beiden WPs Bestzeit und bauten schrittweise unsere Führung aus. Sicherlich profitierten wir, vor allem im Kieswerk, von unserer Bereifung und von den technischen Problemen Ulf Grünert's im 30 PS stärkeren Opel Corsa GSI. Das sollte uns aber nicht daran hindern den Swift trotzdem wie eine gelbe Orangenfrucht auszuquetschen. Zur dritten WP konnte Grünert alle Vorteile seines Fahrzeuges ausspielen und den Rundkurs "Vielau" 18 Sekunden schneller als wir absolvieren. Auf dem Weg ins Regoruping, fragte mich Jan nach meiner Meinung und wir diskutierten, wo und vor allem wie wir es beim zweiten Durchgang besser machen könnten.

Gesagt getan.
WP4 "Zschocken": 9 Sekunden schneller.
WP 5 "Normkies": 6 Sekunden schneller.

Vor dem abschließenden Rundkurs führten wir bereits mit 41 Sekunden unsere Klasse an und fuhren das Ding konzentriert auf dem 12. Gesamtrang nach Hause. Auf dem Weg ins Ziel erzählte ich Jan, wie sehr ich den letzten Wertungsabschnitt immer wieder hasse, insbesondere, wenn man weit in Führung liegt. Im Hintergund säuselte derweil der Swift ohne ein einziges Klappern und ohne den geringsten Schaden vor sich hin und wir beendeten die Rallye im ersehnten Heimathafen und mit einen zufriedenen Grinsen von der Gesichtsmitte bis zu den Ohren. Es war mir ein Fest, Herr Rößner.


Bildquelle: S & S pictures