L.U.P.O.

thueringen16_blog

L - eibhaftige
U - nd
P - rogressive
O - ptimierung

So könnte man mein Comeback an Tina Wiegand's Seite und meine Premiere im VW Lupo GTI während der Thüringen Rallye am letzten Wochenende kurz und knapp zusammenfassen. Dass dies gleichsam dem Akronym entspricht, ist natürlich reiner Zufall... Apropos Lupo. Ich war gespannt, wie gut Tina mit ihrem "Lupinchen" zurecht kommt und sich als einzige Dame im Feld gegen die Männerwelt und auf den ultraschnellen Wertungsprüfungen (WPs) rund um Pößneck behaupten würde. Bisher kannte ich nämlich die "Tina-Lupinchen" Harmonie immer nur vom Hörensagen.

Aus Budgetgründen musste Tina zum Konzept "Minimalistischer Aufwand" zurückkehren. Das heißt: Wir hatten diesmal nur eine kleine Servicemannschaft unterstützt von Familie und Freunden und im äußersten Notfall das großartige Team von ASWA Motorsport als Back-up dabei.

Bei der Besichtigung konnten wir auf einen bestehenden Aufschrieb zurückgreifen, da die Rallye identisch zur letztjährigen Ausgabe war. Damals fuhr Tina die Rallye mit Stefanie Fritzensmeier, die so freundlich war, mir ihre Notizen zukommen zu lassen. Demzufolge mussten wir nur wenige Passagen anpassen. Wir korrigierten vor allem die Distanzen zwischen den Kurven und konzentrierten uns darauf den Aufschrieb runder und flüssiger zu gestalten. Alles in allem sollte es so passen.

Die Rallye begann am Freitagabend mit der kurzen Nacht-WP "Niederkrossen" und dem Rundkursklassiker in der Innenstadt von Pößneck. Während wir auf dem welligen Passagen im Wald und durch das viel zu hart eingestellte Fahrwerk des Lupo's ordentlich einen übergebraten bekamen, konnte Tina ihre Stärke auf Rundkursen anschließend optimal ausnutzen. Im Ziel der WP meinte sie panisch, dass das Auto brennen würde. Mein beruhigender Kommentar war: "Ganz ruhig, Du hast die Bremsen einfach richtig benutzt..." Ergebnis: 4. Zeit in unserer Division und schneller als 21 Herren der Zunft.

Am Samstag stand Tina jedoch ein großer Kampf bevor. Vorrangig mit sich selbst, denn die schnellen Passagen verlangten viel Mut und vor allem Vertrauen. Nachdem die beiden Rundkurse um die "Bankschenke" jedoch neutralisiert wurden, blieb uns am Vormittag zum Belastungstest beider Komponenten nur noch die WP "Stelzendorf". Eine extrem anspruchsvolle WP, die eigentlich immer ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Selbst wenn man nicht um Bestzeiten fährt. Wir konnten uns in den zwei Durchgängen um 15 Sekunden verbessern und den Anschluss ans Divisionsmittelfeld halten.

Unsere Stimmung war prächtig und entspannt. Nicht nur, weil wir guten Zuspruch von Zuschauern erhielten, die die fahrerischen Verbesserungen von außen sehen konnten, sondern auch, weil man im Auto spüren konnte, dass Tina wieder richtig Freude am schnellen Autofahren hat.

Auf der 22 km langen Königsprüfung, dem Rundkurs "Pößneck Nord" mit seiner welligen Bergabfahrt nach "Niederkrossen" mussten wir jedoch erneut fahrerisch und fahrwerkstechnisch kapitulieren. 1,5 Minuten verloren wir auf die Bestzeit und damit den Anschluss im Kampf mit dem Mittelfeld. Davon ließen wir uns jedoch nicht entmutigen und konnten auf den verbliebenen drei WPs noch ansehnliche Zeiten erzielen.

Im Durchschnitt beträgt Tina's fahrerischer Rückstand derzeit 1,5 Sekunde pro Kilometer auf die Teams, die in der Division auf das Podium fahren. Nach meiner Einschätzung sollte dies eine machbare Aufgabe sein. Wenn der Spaß an der Sache bleibt und der Druck von außen einfach ignoriert wird.


Bildquelle: Mario Zießler