Klassiker im Erzgebirge

Eine klare Zielsetzung hatten wir zur 47. Erzgebirgsrallye, dem ersten Lauf der HJS Diesel Rallye Masters. Ein Platz unter den ersten fünf bei den Dieseln sollte her und um den Sieg bei den Junioren wollten wir mitkämpfen. Ein Seuchenjahr wie 2009 möchten wir nicht noch einmal erleben und so gingen wir mit dieser Zielsetzung hochmotiviert in Stollberg an den Start. Schon beim Recce fiel mir auf wie fokussiert Thomas den Aufschrieb erstellte und wie er meine Ratschläge mit offenen Ohren einarbeitete. Ich hatte die Vorahnung, dass er sich auf diese Veranstaltung sehr gut vorbereitet hat, um unbedingt vorne mitzumischen.

Die HJS-DRM hat mit Hankook für die nächsten drei Jahre einen neuen Reifenausrüster. Unsere Erfahrungen mit diesem Reifen lagen bei Null. Im Servicepark brach kurz vor dem Start bei allen Teams hektisches Treiben aus. Das Wetter war sehr instabil und die richtige Reifenwahl ein Lotteriespiel. Wir entschieden uns als eines von zwei Teams für den härteren Trockenreifen. Am Start von WP 1 fing es pünktlich leicht zu regnen an. Wir fuhren trotzdem überraschend hinter Johannes Fürst und Vorjahresmeister Holger Knöbel die drittbeste Zeit, wussten aber um unsere völlig falschen Reifen für den Klassiker der Erzgebirgsrallye, dem Rundkurs in Grünhain. Auf der Strasse stand das Wasser, Schnee von oben tat sein Übriges dazu. "Hier werden uns alle richtig eine einschenken", dachte ich kurz vor dem Start. Unglücklicherweise kamen wir nur eine halbe Runde weit. Der Subaru von Roland Bracht, ebenfalls mit Trockenreifen ausgerüstet, drehte sich bei hoher Geschwindigkeit in eine Böschung und kam auf der anderen Strassenseite an einem Baum zum Stehen. Als erste am Unfallort, befahl ich Thomas sofort anzuhalten, da es keine Reaktionen der beiden Piloten im Auto gab. Wir hielten an, stiegen aus und baten die folgenden HJS-Teilnehmer es uns gleich zu tun. Beide Subaru Fahrer konnten sich schliesslich eigenhändig aus dem Fahrzeugwrack befreien und ging es bis auf ein paar Prellungen gut. Alle HJS-Teilnehmer entschieden sich geschlossen die WP zu verlassen und nicht zu Ende zu fahren. Dies unterstreicht den beispielhaften Zusammenhalt in der HJS-DRM.
Der erste Tag endete mit den richtigen Reifen ausgerüstet und der verhaltenen siebtbesten Zeit auf WP 3. Übernachten konnten wir aber in der Summe trotzdem auf einem hervorragenden 3. Platz, als zweitbeste Junioren.

Die Prämisse für Tag 2 der Erzgebirgsrallye lag in der Verwaltung der bestehenden Platzierung. Wir fuhren kontrolliert erneut die 3. Zeit auf der längsten WP des Wochenendes, dem 17 km langen Rundkurs in Jahnsdorf. Es folgte unser Highlight des Wochenendes: die erste WP-Bestzeit innerhalb der HJS Diesel Wertung seit unserem Engagement 2009. Beim anschliessendem Service wurden wir vom gesamten Team zur Ruhe gemahnt. Meiner Meinung nach ungerechtfertigt, da es dafür keinen Grund gab und die herausgefahrene Bestzeit für uns selbst überraschend kam. Sie wurde absolut sicher und ohne grosses Risiko umgesetzt. Wir verbesserten unseren Aufschrieb sogar noch während der WP. Trotzdem ein schönes Gefühl und die Gewissheit, dass mit uns in diesem Jahr zu rechnen ist.

Auf der zum zweiten Mal zu fahrenen WP Jahnsdorf kam dann unser unspektakuläres Aus. Nach einer tief ausgefahrenen Furche auf einem Schotterstück gab es einen heftigen Schlag im Auto und Thomas beklagte fortan keine Leistung mehr. Nach zweimaligen Anhalten konnten wir die Quelle nicht finden und vermuteten ein altes technisches Problem mit dem Dieselpartikelfilter.

Die heutige Untersuchung des VW Golfes ergab jedoch, dass durch den erwähnten Schlag die Halterung am Ladeluftkühlers abriss und es somit kein Ladedruck mehr gab. Ein lösbare Aufgabe für die Jungs von Toro-Motorsport bis zur Rallye Sulingen in drei Wochen...