Regen + König = Regenkönig

Zur Wartburg Rallye in Eisenach habe ich seit meiner Kindheit eine ganz besondere Beziehung. In den 80er Jahren zählte sie nicht nur zum Pokal für Frieden und Freundschaft, sondern fand glücklicherweise auch immer in den Herbstferien statt. Damals war dies für mich die einzige Möglichkeit meinen Vater zu begleiten und eine Woche Rallyesport hautnah mitzuerleben. Der Charakter der Veranstaltung veränderte sich zwar im Laufe der Zeit und wurde an die Moderne angepasst, doch die Faszination blieb. Nach zwei Siegen in den letzten zwei Jahren freute ich mich darauf den Hattrick anzupeilen. Diesmal mit Veit König...

Doch schon beim Abfahren der Berg und Talbahnen um die Wartburg und einem Blick in die Starterliste der Division 9 rechneten wir uns ehrlich gesagt keine großen Chancen auf den Sieg aus. Gegen den VW Lupo des Führenden in der Deutschen Rallye Serie (DRS) Thomas Stöber, den VW Polo des jungen Talentes Dominik Dinkel und den Renault Twingo des Lokalmatadoren Markus Künkel, sind wir mit unserem Suzuki Swift schlichtweg untermotorisiert. Und so rollten wir eigentlich ohne große Erwartungen über die Startrampe auf dem Marktplatz in Eisenach.

Die erste Wertungsprüfung (WP) "Krauthausen I" gingen wir auch dementsprechend ganz kontrolliert an. Im Zeitenvergleich mit Stöber verloren wir 8 Sekunden. Damit konnte Veit leben. Viel interessanter gestaltete sich jedoch der Anruf meines Vaters, der noch immer an der Stoppstelle von WP 1 stand und auf die Zeiten unserer anderen Konkurrenten wartete. Es gab jedoch keine weiteren Konkurrenten. Tina Wiegand und Phillip Leger nahmen wir fast eine Minute ab, Dinkel schied mit technischem Defekt aus und Künkel legte den neuen Twingo gleich einmal ins Unterholz. Die beiden letztgenannten Teams sollten jedoch mit großem Rückstand am nächsten Tag wieder starten können. Nach bereits 10 von 130 zu fahrenden WP-Kilometern blieben demnach lediglich noch zwei Teams im Rennen um den Sieg übrig. Stöber und Unerwarteterweise wir.

Nachdem wir in der nächsten WP auch noch 10 Sekunden schneller als Stöber fuhren, übernahmen wir mit 2 Sekunden Vorsprung sogar die Führung in der Division 9. Auf der kurzen und welligen WP "Heldrastein I" trafen wir jedoch unglücklich einen verdeckten Stein und beschädigten uns die vordere rechte Felge. Wir verloren 5 Sekunden auf dieser und weitere 15 Sekunden auf dem folgenden Rundkurs "Deubachshof I".

Im anschließenden Service begann der große Reifenpoker, denn es kündigte sich ein Regenunwetter an. Nach dem Blick auf den Regenradar konnte ich Veit davon überzeugen, dass wir mit Intermediates auf der "sicheren" Seite wären. Zu unserer Überraschung setzte Stöber komplett auf Trockenreifen und zwei Intermediates im Kofferraum und traf damit eine sehr riskante Wahl. Pünktlich zum Start der WP "Krauthausen II" öffnete Petrus seine Schleusen. Veits Erfahrung unter diesen Bedingungen und Stöbers falsche Reifenwahl waren unsere Chance. Mit vier WP Bestzeiten in Folge konnten wir unseren Rückstand von 16 Sekunden in eine komfortable Führung von 49 Sekunden ummünzen und zufrieden ins Bett gehen.

Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte, rüsteten die Mechaniker von
Suzuki-KKL die "Susi" für die erste Schleife am Sonntagvormittag komplett auf Regenreifen und -abstimmung um. Im Kofferraum hatten wir zusätzlich zwei Intermediates - für den Fall, dass die Strecken trockener werden sollten. Kontrolliert und ohne Risiko fuhren wir konstant schneller als Stöber und bauten sukzessive unseren Vorsprung aus. Und daran änderte sich auch bei trockenen Bedingungen am Nachmittag nichts mehr.

Mit einem Vorsprung von 1:49 Minute gewannen wir die 52. Auflage einer perfekt organisierten ADAC Wartburg Rallye und bauten damit unsere Führung in der ADMV Rallye Meisterschaft weiter aus. Mit diesem unerwarteten Erfolg konnten wir uns zusätzlich in der Deutschen Rallye Serie auf den zweiten Platz verbessern.

An dieser Stelle möchte ich mich bei dem gesamten Team von Suzuki-KKL und meinem Vater für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken. Ohne sie wäre der Hattrick bei meiner Lieblingsrallye sicherlich nicht möglich gewesen. Danke Jungs...